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Kuren in Polen

Gradierwerke, riesige, mit Reisigbündeln aus Schlehdorn verfüllte Holzgerüste, die in Ciechocinek/ Hermannsbad, Inowrocław/Hohensalza und Konstancin-Jeziorna stehen, sollten ursprünglich der Salzgewinnung dienen. Sehr schnell wurden aber auch ihre Heileigenschaften erkannt.
Salzige Atmosphäre Die ersten polnischen Gradierwerke in Ciechocinek sind aus Not entstanden. Als im Jahre 1772 infolge der ersten Teilung Polens die polnischen Salzwerke in Wieliczka und Bochnia in Österreichische Hände rieten, mussten in Polen neue Salzquellen gefunden werden. Zum Glück wurde zwischen Ciechocinek und Inowrocław in Kujawy/ Kujawien ein großer, unterirdischer Solesee entdeckt. Die Bauarbeiten an den zwei ersten Anlagen zur Salzgewinnung fingen 1824 an, die dritte wurde 31 Jahre später gebaut. Man war sich damals noch nicht dessen bewusst, dass sie zu den größten Anlagen dieser Art in Europa sein werden, aber ihre Heileigenschaften erkannte man noch vor der Beendigung der Bauarbeiten. Die Gradierwerke in Ciechocinek, von oben gesehen, sind in Hufeisenform gebaut. Sie bestehen aus fast sieben Tausend Eichenpfählen, die sechzehn Meter hoch sind und sich über eine Länge von fast 2 Kilometern in einem sorgfältig gepflegten Park erstrecken. Über die mit Schlehdorn ausgefüllte Konstruktion fließt das vorher nach oben gepumpte Salzwasser, ein Tropfen nach dem anderen, runter. Es ist der Wirkung der Sonne und des Windes ausgesetzt. Um die Anlage herum schwebt ein salziger Nebel, reich an Jod, Brom und Ozon. Die Gradierwerke in Inowrocław nehmen die Gestalt von zweien, miteinander verbundenen Polygonen an. Sie sind auch die jüngsten und modernsten Werke. Die neun Meter hohe Konstruktion herrscht über dem Kurpark. Im Sommer kann man von der Aussichtsterasse, die sich ganz oben am Gradierwerk befindet, salzliebende Bäume, Blumenteppiche und malerische Teiche bewundern. Unten kann man kegeln und Minigolf spielen. Konstancin-Jeziorna ist ein kleiner Kurort in der Nähe von Warszawa/ Warschau, in dem Mineralwasser produziert wird. Die Gradierwerke wurden hier 1980 gebaut. Konstancin ist daraf stolz, dass das hier produzierte Sole-Aerozol in ganzem Polen die größte Konzentration aufweist.
Sole-Inhalationen werden bei Atemproblemen, Schilddrüseerkrankungen und Bluthochdruck empfohlen. Sie sind keimtötend, wirken beruhigend und stärken die natürlichen Abwehrkräfte. Auch gesunde Menschen machen gerne Spaziergänge in der Nähe der Gradierwerke, um ihr Immunsystem zu stärken. Nur sehr elegante Damen beschweren sich manchmal, dass das Salz, das aufs Haar fällt, ihre Frisuren kaputt macht.
Foto: Jürgen Acker. Pixelio Report
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